Tech Center i-protect

Trotz umfangreicher Verbesserungen auf dem Gebiet der Fahrzeugsicherheit liegt die Anzahl der Verkehrsopfer mit jährlich ca. 3.350 Toten und mehr als 67.000 Schwerverletzten allein in Deutschland weit von einem akzeptablen Wert entfernt. Die EU strebt eine Halbierung der Zahl der Unfalltoten bis 2020 an. Dies ist nur durch den Einsatz integraler Sicherheitssysteme, also durch eine Kombination von vorausschauenden, aktiven Sicherheitssystemen mit passiven Sicherheitsfunktionen zu erreichen. Hierbei gilt es, innovative Sicherheitstechnologien und neue, intelligente Werkstoffe zu entwickeln, die die Sicherheitsanforderungen zukünftiger Fahrzeuggenerationen (bspw. mit Bezug auf Elektromobilität, Wasserstoff, autonomes Fahren) sowie Veränderungen des Gesamtunfallgeschehens (bspw. durch demographischen Wandel, Connectivity/ Big Data) berücksichtigen.

Vor diesem Hintergrund haben Daimler, Bosch und das Leistungszentrum gemeinsam das Ankerprojekt „i-protect“ gestartet. In Zusammenarbeit mit weiteren Partnern werden dort  schnell und zielgerichtet interdisziplinäre Themen gesamtheitlich bearbeitet und so ein schneller Technologietransfer gewährleistet.

Forschungsthemen

Im Zentrum der Forschung im Tech Center i-protect stehen die folgenden Themen:

  • Zukünftige Prüftechnologien in der Fahrzeugsicherheit
  • Präventiver Insassen- und Partnerschutz: Voranstoßende und vorauslösende PRE-SAFE Systeme, die den Insassen- und Partnerschutz erweitern und optimieren
  • Innenraumbeobachtung und alternative Insassenrückhaltung: Systeme, die Attribute der Insassen erkennen und daraufhin ihre Schutzwirkung anpassen, und dabei Veränderungen im Interieur und im Nutzungsverhalten berücksichtigen
  • Innovative Werkstoffe im Automobilbau
  • Unfallrekonstruktion, Verletzungsmechanismen und Menschmodelle: Biomechanische Analysen zur Entwicklung und Validierung von Menschmodellen

Budget und Dauer

Die Daimler AG wird in den nächsten fünf Jahren insgesamt Forschungsaufträge in Höhe von bis zu 5 Mio.  € an die Wissenschaftspartner des Tech Centers i-protect  vergeben. Die Robert Bosch GmbH stellt insgesamt 1 Mio. € für Forschungsaufträge zur Verfügung. Darüber hinaus sollen zusammen mit weiteren Partnern zukünftig für einzelne Vorhaben auch Förderanträge bei öffentlichen Fördermittelgebern wie Bundesministerien und der EU (HORIZON 2020) gestellt werden.

Partner

  • Technische Universität Dresden
  • Technische Universität Graz
  • Klinikum Stuttgart
  • Exzellenzcluster SimTech

Forschungsbeispiele

©Fraunhofer EMI

Im Rahmen von i-protect wurden bereits erste Kooperationsprojekte - wie zum Beispiel die Beobachtung von Strukturen im Innern eines Fahrzeuges während des Crashs - gestartet. Moderne, leichte Fahrzeuge werden aus immer komplexeren Materialien und Bauteilen gefertigt. Um den Aufbau dieser Strukturen zu verstehen, werden bei der Forschung, Entwicklung und Serienprüfung Röntgenaufnahmen und computertomographische Auswertungen verwendet. Bisher beschränkte sich das Röntgen im Wesentlichen auf statische Untersuchungen. Ein neuer Ansatz des Fraunhofer EMI ermöglicht das Röntgen hochdynamischer Verformungsprozesse unter Crashbedingungen.

Damit können die inneren Strukturen eines Fahrzeugs beim Crash untersucht werden. So können dann Materialien und insbesondere numerische Modelle optimiert werden. Als nächsten Schritt plant das Fraunhofer EMI, die Röntgenaufnahmen und Simulationsdaten mit Algorithmen aus der Computertomographie zu kombinieren. Mit diesen Daten wird es möglich sein, ein dreidimensionales Bild der hochdynamischen Verformungsvorgänge bei einem Crash zu sichern. So können Simulationen und damit auch die Fahrzeugsicherheit verbessert werden.

Der Aufbau zum Röntgen-Test am Fraunhofer EMI in Efringen-Kirchen ©Fraunhofer EMI
©Fraunhofer EMI
©Fraunhofer EMI
©Fraunhofer EMI
©Fraunhofer EMI